Wallfahrten
Die Wallfahrt (peregrinatio religiosa) gilt seit dem Mittelalter auch als ein Bekenntnis zum christlichen Glauben, vor allem weil die Wege zu den Wallfahrtsorten oft weit, mühsam und möglicherweise gefährlich waren. Deshalb hatte bereits das Gelübde, eine Wallfahrt innerhalb einer bestimmten Frist zu unternehmen , eine wichtige Bedeutung.
Gott um Hilfe zu bitten, oder für Gottes Hilfe zu danken, gehen Christen seit dem Altertum auf Pilgerreisen. Die wichtigsten Ziele sind dabei: Jerusalem, Rom, Santiago de Compostella, Aachen, Fatima, Lourdes usw... (wusstest Du, dass Wilsnack noch vor Fatima in die Reihe der wichtigsten Pilgerorte des Mittelalters gehörte?)
Der Weg ist das Ziel
Die Pilgerreise oder die Wallfahrt ist für den Reisenden oft auch ein Weg zu sich selbst, ein Weg der Erkenntnis und des Wandels. Oft erfährt man auf der Reise Dinge über sich und andere, die das Leben wie es vorher war, in Frage stellen. Dabei ist es egal, ob man allein oder in der Gruppe pilgert. Für den einen ist das Erlebnis anderer Menschen mit ihren Ansichten und Glaubensbildern ein wichtiger Grund für eine gemeinsame Fahrt. Der andere läutert seinen Geist durch die Einsamkeit und das Erlebnis mit sich selbst.
Für beide Arten der Wallfahrt gilt: Man erlebt Gastfreundschaft wo man sie nicht erwartet hätte, aber auch manchmal Unverständnis und Spott. Ebenso wie Jesus Christus vor rund 2000 Jahren.
Obwohl Wallfahrten nicht nur im Christentum bekannt sind - denken wir beispielsweise an die "Hadsch", die Fahrt des gläubigen Moslem nach Mekka und Medina - so bilden sie doch einen der Kernpunkte der christlichen Religion und -Kultur. Auch die heute so genannten "Kreuzzüge" vor 1000 Jahren waren Pilgerfahrten. Sieht man vom zweifelhaften Ergebnis ab, so begann doch mit Ihnen die eigentliche Entstehung eines christlichen Europa und damit unserer christlich-abendländischen Kultur.